Der Mensch und das Hochwasser

Immer häufiger treten in Deutschland selbst kleine Flüsse über die Ufer – mit verheerenden Folgen. Schuld für die unkontrollierbaren Wassermassen ist nach Expertenmeinung auch der Klimawandel. Eine Besserung ist nicht in Sicht.

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Steigendes Risiko – vom Menschen verursacht

Durch die Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas hat der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen. Das Klima wurde dadurch nachhaltig geschädigt, eine Temperaturerhöhung auf der Erde ist die Folge. Je mehr die Temperatur in der Atmosphäre steigt, desto mehr Wasser kann verdunsten und erneut als Niederschlag fallen. Intensiviert sich so der Wasserkreislauf, nimmt auch das Hochwasserrisiko zu. Hierzu trägt auch der Anstieg der Niederschlagsmenge bei. Im Vergleich zum Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich der mittlere Jahresniederschlag in Deutschland um rund 9 Prozent erhöht.

 

Eine Besserung ist trotz eingeleiteter Klimaschutzmaßnahmen nicht in Sicht: Bis zum Jahr 2100 sollen die Temperaturen in Deutschland gegenüber der Klima-Normalperiode sogar noch um bis zu 3,5 Grad Celsius ansteigen. Die Winterniederschläge könnten sich laut Expertenmeinung um bis zu 40 Prozent erhöhen.

Landnutzung

Über viele Jahrzehnte hinweg wurden in Deutschland Flächen für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Entwässerung und der Einsatz schwerer Landmaschinen verdichteten die Böden, sodass Regenwasser kaum noch einsickern konnte. Über Drainagen und die Kanalisation wird das Wasser nun in Bäche und Flüsse abgeleitet, was die Entstehung von Hochwasser begünstigt. Auch durch die Zunahme von Siedlungen und Verkehr reduzieren sich Versickerungsflächen für Regenwasser dramatisch. Von 2006 bis 2009 wurden in der Bundesrepublik pro Tag 94 Hektar in sogenannte versiegelte Flächen umgewandelt. Das entspricht etwa 61 Fußballfeldern.

Gewässerstruktur

Städte, Gemeinden, Landwirtschaftsflächen – all das braucht Platz. Dabei gingen natürliche Überschwemmungsgebiete in Deutschland verloren. Von ehemals 6.172 Quadratkilometern stehen zum Beispiel der Elbe heute gerade noch 838 Quadratkilometer für den Rückhalt von Hochwasser zur Verfügung. Die gravierenden Folgen dieser strukturellen Entwicklung zeigten sich beim Elbhochwasser im Jahr 2006. Die Schiffbarmachung von Gewässern, die landwirtschaftliche Nutzung fruchtbarer Auenstandorte sowie der Bau von Deichen und Staustufen verkürzen zudem die Flussläufe und erhöhen die Fließgeschwindigkeit. Es kommt zu steileren und höheren Hochwasserwellen und damit zu einer Verschärfung von Flutkatastrophen.

Hochwassergefahren- und risikokarten zeigen auf, ob man in einem von Hochwasser gefährdeten Gebiet lebt.

Wer ist beim Hochwasserschutz gefragt?

Beim Hochwasserschutz sind alle gefordert: staatliche Stellen, verschiedene Institutionen und Nutzer sowie jeder einzelne Bewohner.

  • Die Länder kooperieren auf nationaler Ebene in der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser.
  • Die Regionalplanung plant Vorranggebiete für Hochwasserabfluss und Rückhalt.
  • Die Bauleitplanung von Städten und Gemeinden sowie die Wasserwirtschaft entwickeln Hochwasserschutzkonzepte an kleinen Gewässern, Alarm- und Einsatzpläne. Sie koordinieren auch Hilfskräfte im Hochwasserfall.
  • Die Wasserwirtschaft plant und realisiert Hochwasserschutzkonzepte auch für große Gewässer. Außerdem kontrolliert sie die Pegelstände der Wasserstraßen des Bundes.
  • Die Land- und Forstwirtschaft ist für die Flächenfreigabe für Retentionsräume gefragt.
  • Der Naturschutz ist für die Renaturierung von Flussauen zuständig.
  • Das Technische Hilfswerk stellt Rettungshelfer.
  • Jeder einzelne Bürger ist für seine Eigenvorsorge verantwortlich. Das beinhaltet sich umfassend zu informieren und im Hochwasserfall vorbereitet zu sein.

Vorsorgepflicht

Nach §5, Abs. 2 des Wasserhaushaltsgesetzes ist sogar „jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, (…) im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen.“

Welche Aspekte Sie bei einem Neubau in einem Hochwassergebiet beachten müssen und auch wie Sie bei der Sanierung nach einem Hochwasser vorgehen, können Sie unter Bauvorsorge und Hochwasserschäden nachlesen.